Posts tagged ‘Ungetüm’

Mai 23, 2011

Kapitel 1. Der schlafende Drache [Auszug II]

Ich gehe weiter zwischen den haushohen Ungetümen entlang, als ich bemerke, dass einer seine Augen öffnet und sein Blick mich direkt erfasst. Ich bleibe stehen und halte seinem Blick stand. Er scheint sich nur zu wundern, schnauft kurz und leise und schliesst seine Augen auch schon wieder. Aus der Nähe sehen sie nun nicht mehr alle so gleich aus, wie noch am Anfang von meiner erhöhten Position aus. Jetzt erst erkenne ich, dass jeder sein eigenes, wie speziell für ihn entworfenes, Schuppenkleid trägt. Alleine die Schuppen scheinen mir eine Menge über die jeweilige Persönlichkeit zu erzählen. Manche sind hart, dick, rau und starr, wie aus Granit. Andere sind eher fein und glatt, fast schon geschmeidig und elastisch und manchmal schimmernd. Dann sehen einige aus wie eine Art von Federn oder einer Art Fell mit ungewöhnlichen Haaren, die sehr dick sind und lebendig wirken. Einer kann die Farbe sogar wechseln, ich bemerke es, als sein schwarzer Panzer plötzlich beginnt weiße Flecken zu bekommen, als ich an ihm vorbeigehe und schliesslich ist seine ganze Panzerrüstung in helles Weiss getaucht. Wie bei einem Oktopuss pulsieren die schwarzen und weißen Farbpigmente an seiner äusseren Hülle und dann blitzt auf einmal wie aus dem Nichts ein ganzes Farbgewitter auf mich hernieder, dass für den Bruchteil einer Sekunde über seinen gesamten Körper erstrahlt und mich mit offenem Mund vor mich hinstolpern lässt. Denn irgendwas lässt mich nicht stehenbleiben und sagt mir, ich soll weitergehen und einen Ausgang finden. Ich schlängele mich weiter durch den Tempel am nächsten Drachen vorbei, als ich merke, dass ein Fels unbesetzt zu sein scheint, zwei Felsen weit von mir entfernt. Ich erkenne etwas, das vor dem Stein liegt. Es bewegt sich und dann ist es mit einem Ruck verschwunden. Es war ein Drachenschwanz. Einer ist wach und ich ahne schon wer es ist. Ich sollte mir einen Namen für ihn ausdenken. Das werde ich tun, sobald ich lebend hier rausgekommen bin. Der Luftzug ist jetzt deutlicher zu spüren. Wie ein Wind, der von allen Seiten her weht. Wie ein Hauch, der in meinem Nacken sitzt und sich von dort aus unter meine Kleiung gräbt und meinen ganzen Körper erfasst. Ich spüre wie mein Puls anfängt schneller zu gehen und meine Füße gleichen sich dem Tempo an. Den Fels muss ich erreichen, um mir einen Überblick zu verschaffen. An einer Seite ist er sehr flach und der Anstieg gut möglich. Ich nehme Anlauf und springe den Absatz hoch, von dort aus benutze ich alle Viere, um schnell ganz nach oben zu kommen, komme dabei ins Stolpern und rutsche ab. Nichts passiert und es gelingt mir trotzdem kaum Geräusche zu machen bei aller Hast. Ich fühle mich von Sekunde zu Sekunde unwohler in diesem Raum und es scheint, als würde meine Angst sich langsam auf meine Umgebung ausbreiten. Die Urviecher werden nervös, was mich wiederum nervöser macht. Eine Spirale der Angst formt sich aus, zieht ihre Kreise und ich bin der Mittelpunkt. Der Radius weitet sich in einer Geschwindigkeit aus, die mir Schwindel bereitet. Ich sehe den Ausgang. Es ist die Treppe, die ich von oben am anderen Ende der Höhle gesehen habe, sie steht unter Wasser und führt auf der anderen Seite zum Ausgang dieser Höhle. Es muss so sein. Im nächsten Augenblick spüre ich den Hauch wieder, diesmal deutlicher als je zuvor. Er ist direkt hinter mir. Ich komme nicht dazu mich umzudrehen, denn vor Schreck rutsche ich aus und den steileren Teil des Felsens hinunter. Irgendwie gelingt es mir auf den Füßen zu landen, so dass ich direkt loslaufen kann Richtung Treppe. Vorbei an den letzten vier Felsen, sehe ich wie alles um mich herum nun aufwacht und diesmal scheinen alle mich anstarrenden Augen nicht mehr so desinteressiert, wie noch zu Anfang. In ihren Augen steht geschrieben, dass sie meine Angst sehen können, so als ob sie etwas wäre, das man malen könnte und sie scheinen wütend darüber zu sein. Wütend, dass ich sie mit meiner Angst belästige. Mir bleibt keine Zeit mich zu entschuldigen, da der Überlebenstrieb längst alle Körperfunktionen übernommen hat, auch das Denken und so setze ich meine Flucht unter den erbosten Augen fort, die sich langsam in hungrige Augen verwandeln. Noch ein Grund, schneller zu laufen, als ich es kann. Da ist die Treppe endlich. Ich springe kopfüber ins Wasser, ohne darüber nachzudenken, ob dies wirklich der Ausgang ist. Ich habe keine andere Wahl. Der im Sprung letzte eingeholte Atemzug muss für die unbekannte Länge der Strecke reichen. Aber der Tauchgang ist ein kurzer und kaum da ich ein paar Züge geschwommen bin, schimmert Sonnenlicht von der Oberfläche hinunter zu mir und ich kann auftauchen. Ich bin wieder da. Ich stehe am Fenster meiner Küche und mein Blick geht durch alles durch hinaus in die Ferne. Meine Hand stützt sich an der Seite des Rahmens und ich spüre den Luftzug, wie er durch meine Finger streift. Es ist ein raushängender Dichtungsgummi, der sich verklemmt hatte. Mir ist ganz schwindelig und mein Puls hat sich noch nicht beruhigt. Ich muss mich hinlegen, mich ausruhen. Ich muss so ruhig werden wie die Drachen im Tempel ganz am Anfang. So ruhig wie ein schlafender Drache. Erschöpft schließen sich meine Augen und ich lasse mich in meinen Sessel sinken, der neben dem Fenster steht.

September 16, 2009

Schwarzes Weiß

Ich falle
Kein Hall am nackten Boden
Ich rutsche
Etwas hat an mir gezogen
Ich klettere
Bin ich denn schon wieder oben

Halt ein, vor lauter Ungestüm
Es ist des Nichtens Kälte Scherz
Ein letztes mal geht´s himmelwärts
Dann hat´s mich hier, im Ungetüm

Ausgespeit erlagen wir
Augenblinzelnd sehen wir
Hauchzart liegst du neben mir
In deinem Rachen, ich in dir

Sag wo kommt all die Schönheit her
Dies Seltenreich, dem Himmel näher
Ein Buch wie 1000 Seiten leer
Ich glaub es ist schon ewig her