Posts tagged ‘Poesie’

September 16, 2009

Schwarzes Weiß

Ich falle
Kein Hall am nackten Boden
Ich rutsche
Etwas hat an mir gezogen
Ich klettere
Bin ich denn schon wieder oben

Halt ein, vor lauter Ungestüm
Es ist des Nichtens Kälte Scherz
Ein letztes mal geht´s himmelwärts
Dann hat´s mich hier, im Ungetüm

Ausgespeit erlagen wir
Augenblinzelnd sehen wir
Hauchzart liegst du neben mir
In deinem Rachen, ich in dir

Sag wo kommt all die Schönheit her
Dies Seltenreich, dem Himmel näher
Ein Buch wie 1000 Seiten leer
Ich glaub es ist schon ewig her

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Juni 12, 2009

Der ewige Quell

Du unaufhörlicher Quell vollendeter Zehrung

Du gleichsam nichtssagende Wahrheit
Du schicklich sich windende Wehrung
Du gleichzeitend gleichbleibende Zartheit

Lilien schwärzer, wie weiß der Schnee, schickt´ ich dir
Granitfelsengurgelnd und unbeirrt
Schwanenblütenhälse von Odemsfesseln blutend, kredenz ich dir
Quarzend und lechzend, aber verwirrt

Nachtfalterfalten krächzen Kratzerfarben
in lichte Fasern, faservollfüllter Gestalten
Kleben beige Seidenspinnerwaben
Um dich ohne Aufhör feste zu halten

Juni 12, 2009

Der Augenblick

„Ich bin viel zu weit weg“ rufe ich ihr zu. Irgendwas ist zwischen uns. Vor mir geht sie her. Den Blick auf den Boden gerichtet, damit sie sehen kann, wo sie hintritt. Vor lauter Laub sieht man den Rasen nicht und überall sind Pfützen unter den Ahornblättern. Mein Blick folgt jedem ihrer Schritte.

„Das Muster ist schön“ sagt sie, während sie durch das Laub stolziert, einen Fuß vor den anderen setzt. Muster sind überall. In den kleinsten Details sind Muster verborgen. Muster hat ihre Hose, aber eins von den Feineren, Unauffälligeren, eigentlich kaum Merklichen und fast schon Verborgenen. Viel auffälliger sind da schon jene Muster, die ihre weichen Rundungen in dieses Stück Stoff zeichnen. Das sind lebendinge Muster, sie verleihen dieser Hülle aus irgendwie verstrickten Fasern Leben und sie drücken sich in jeder Bewegung aus, in jedem zögerlichen Schritt und jedes mal entstehen neue Windungen und Formen, die vorher noch nie da waren. Die Farbe bleibt gleich. Sandfarbener Stoff. Doch darunter mischt sie die Farben in ihren Formen und Zügen. Darunter ist sie bunt wie der Regenbogen. Wenn es stimmt, was man über sie sagt, dann läuft sie auf Gold. „Die Farbe bleibt immer gleich“ Sie hat mich nicht gehört. „Sie leuchten wie ein Pyrit, die Blätter“ Sie dreht sich um. „Ich bin eher wie ein Achat“ sag ich zu ihr. Ihre warmen Augen schauen mich an. Wir gehen weiter, weil irgendwas zieht uns, und etwas anderes hält uns fest. „Wohin gehen wir?“ Wir gehen weiter runter zu der großen Eiche, da ist das Licht so schön. Da werde ich Bilder von dir malen und jede deiner Farben einzeln einfangen, bis in die Abendstunden und bist die Nacht sich auf uns legt. Ich werde dir zusehen. Dir, dem Gras, dem Wind und allen anderen Wesen, wie sie die Hand dir küssen, sich verbeugen und ihr Herz dir schenken. Ihren Herztanz werd ich miterleben und mich dafür in dich dich verlieben. Und ich werde für einen Moment vergessen, wie ein Achat ist. Ich werde glauben, dass es einfach so sein kann.

„Wie ist denn ein Achat?“ Fragt sie mich. Wie ein Achat ist… Wir haben nicht viel Zeit. 3 Sekunden sind keine Ewigkeit. „Dann lass mich dich vergessen machen“. Ich will nur diesen Moment festhalten und deine Augen, den Augenblick. Dieser Ort in Zeit und Raum, der sich zu einem Punkt verdichtet hat, so als gäbe es keine Gesetze mehr. Keine Physik, keine Schwerkraft. Keine Kraft, die schwer macht. Nur dieser eine Punkt und diese eine Linie. Der Punkt bist du, die Linie der Weg zu dir. Aber diese Linie verschiebt sich. Jetzt gerade in diesem Augenblick setzt sie sich in Bewegung. „Linie 704?“. Ja, so heißt sie. Ich weiß auch nicht wieso sie so heißt, aber die Linie wird gleich gebrochen. Nicht wie Licht, dass sich in seine Farben aufteilt und erst dann sein ganzes Wesen offenbart. Eher wie ein einfaches, billiges Plastiklineal, mit dem gespielt wird, das überdehnt wird und dann zerspringt.

Dieser komische Bus, er biegt einfach um die Ecke ab, er bemerkt das Band garnicht reißen. In Zeitlupe schnellen die überdehnten Fasern an ihren Ursprung zurück. Wie Peitschen knallen sie zurück mit voller Wucht. Eine lautes Bersten, dass die Ohren betäubt. Er überspielt es einfach mit lauten Dieselmotorkrächzen. Ein kurzes Aufheulen zum Beweis, wie egal es ihm ist. Dann ist es still.

Ich konnte es ihr nicht mehr sagen. Wie alles in Mustern verborgen liegt, wie sich alle Farben nur wiederholen und wie ein Achat ist. Von außen ist er weiß, mit dunklen grünen Stellen versehen. Innen aber ist er nur blau. Vielleicht hätte sie es verstanden.

April 7, 2009

Der Regen

Nichts in der Welt war wahrscheinlich jemals so belebend und erfrischend für meinen Geist wie der Regen, der so unbeirrt an meine Scheibe klopft. Gerne würde ich ihn hereinlassen, jedoch muss ich das Holz bedenken, welches den Fensterrahmen bekleidet. In seinen Rillen würden die Tropfen in Richtung meines Sofas fließen und große Pfützen hinterlassen, auf denen ich nicht schlafen kann. Was heißt nicht schlafen, ich könnte es wohl. Ich könnte mich hineinlegen, wie in ein gemachtes Bad und mich hin- und herwälzen, bis jede Stelle trockener Haut mit kühlem Nass bedeckt wäre. Wahrlich eine Alternative zu Avocadohautcreme. Jedoch müsste ich inmitten erdrückender Sommerhitze Nächte einschlafen, um nicht über Nacht völlig auszukühlen. Es müsste unerträglich heiß sein, so dass man auf trockener couch sich das Fleisch verbrannte, wagte man es sich draufzusetzen. Was könnte schon großartig passieren, ließe man den Regen zu sich hinein. Sonst sind wir immer so höflich zu allen, man kann doch niemanden vor der Türe stehen lassen. Und vor dem Fenster? Zugegeben eine eher ungewöhnliche, verspielte Art jemandem einen Besuch abzustatten, aber nicht weniger schön, als vor der Türe einen Besucher zu wissen, dessen Hauptaugenmerk wohl darin liegt, Dich zu sehen. Und wie kann bitte schön jemand gesehen werden, wenn eine Türe dazwischen ihr Unwesen treibt. Ja sollten wir sollten doch viel lieber uns alle ein Beispiel am neugierigen Regen nehmen, der uns so unverfroren durch die begoßenen Scheiben beobachtet. Es mag etwas sonderbar anmuten, wie er sich so ganz schamlos an die unsichtbare Wand drückt, so als wolle er gar direkt hindurchfliegen. Jedoch zeigt er sich ganz unverhohlen und ohne dass wir uns je belästigt fühlen würden. Denn wer hätte dem Regen schon je schlechte Absichten nachsagen können? Niemand. Es ist eines dieser wenigen Dinge, die ganz sicher sind in dieser Welt. Der Regen ist kein Voyeur, nein. Er ist stiller Begleiter und egal wie viel und oft er an unsere Scheiben klopft, wir würden nie auf die Idee kommen, am Klopfen erhören zu wollen, wer da draußen wohl ist. Kein Tropfen gleicht auch nur im Geringsten dem hohlen Holz in unseren Fluren. Kein Tropfen könnte je eine Absicht verraten, wie es das ungeduldige dumpfe Geräusch an der Tür manches Vorbeikommers schon erahnen lässt. Deshalb meidet der Regen wohl auch die Türen. Sie sind dazu gemacht die Leute draußen zu halten, sie nicht hineinsehen zu lassen in das kleine Leben und so von ihrem Wesen her schon so viel anders als Fenster. Es verträgt sich einfach nicht. So wird der Regen immer bei Deinem Fenster bleiben und ihm ist es egal, ob du Ihn hereinlässt oder nicht. Er wird es Dir nicht übel nehmen. Er kommt trotzdem immer wieder.

Regen