Posts tagged ‘Licht’

Oktober 10, 2009

gelegentlich(t)

„Ich glaube, daß wir einen Funken jenes ewigen Lichts in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muß und welches unsere schwachen Sinne nur von Ferne ahnen können. Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu lassen und das Göttliche in uns zu verwirklichen, ist unsere höchste Pflicht.“

Goethe

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Juni 12, 2009

Der Augenblick

„Ich bin viel zu weit weg“ rufe ich ihr zu. Irgendwas ist zwischen uns. Vor mir geht sie her. Den Blick auf den Boden gerichtet, damit sie sehen kann, wo sie hintritt. Vor lauter Laub sieht man den Rasen nicht und überall sind Pfützen unter den Ahornblättern. Mein Blick folgt jedem ihrer Schritte.

„Das Muster ist schön“ sagt sie, während sie durch das Laub stolziert, einen Fuß vor den anderen setzt. Muster sind überall. In den kleinsten Details sind Muster verborgen. Muster hat ihre Hose, aber eins von den Feineren, Unauffälligeren, eigentlich kaum Merklichen und fast schon Verborgenen. Viel auffälliger sind da schon jene Muster, die ihre weichen Rundungen in dieses Stück Stoff zeichnen. Das sind lebendinge Muster, sie verleihen dieser Hülle aus irgendwie verstrickten Fasern Leben und sie drücken sich in jeder Bewegung aus, in jedem zögerlichen Schritt und jedes mal entstehen neue Windungen und Formen, die vorher noch nie da waren. Die Farbe bleibt gleich. Sandfarbener Stoff. Doch darunter mischt sie die Farben in ihren Formen und Zügen. Darunter ist sie bunt wie der Regenbogen. Wenn es stimmt, was man über sie sagt, dann läuft sie auf Gold. „Die Farbe bleibt immer gleich“ Sie hat mich nicht gehört. „Sie leuchten wie ein Pyrit, die Blätter“ Sie dreht sich um. „Ich bin eher wie ein Achat“ sag ich zu ihr. Ihre warmen Augen schauen mich an. Wir gehen weiter, weil irgendwas zieht uns, und etwas anderes hält uns fest. „Wohin gehen wir?“ Wir gehen weiter runter zu der großen Eiche, da ist das Licht so schön. Da werde ich Bilder von dir malen und jede deiner Farben einzeln einfangen, bis in die Abendstunden und bist die Nacht sich auf uns legt. Ich werde dir zusehen. Dir, dem Gras, dem Wind und allen anderen Wesen, wie sie die Hand dir küssen, sich verbeugen und ihr Herz dir schenken. Ihren Herztanz werd ich miterleben und mich dafür in dich dich verlieben. Und ich werde für einen Moment vergessen, wie ein Achat ist. Ich werde glauben, dass es einfach so sein kann.

„Wie ist denn ein Achat?“ Fragt sie mich. Wie ein Achat ist… Wir haben nicht viel Zeit. 3 Sekunden sind keine Ewigkeit. „Dann lass mich dich vergessen machen“. Ich will nur diesen Moment festhalten und deine Augen, den Augenblick. Dieser Ort in Zeit und Raum, der sich zu einem Punkt verdichtet hat, so als gäbe es keine Gesetze mehr. Keine Physik, keine Schwerkraft. Keine Kraft, die schwer macht. Nur dieser eine Punkt und diese eine Linie. Der Punkt bist du, die Linie der Weg zu dir. Aber diese Linie verschiebt sich. Jetzt gerade in diesem Augenblick setzt sie sich in Bewegung. „Linie 704?“. Ja, so heißt sie. Ich weiß auch nicht wieso sie so heißt, aber die Linie wird gleich gebrochen. Nicht wie Licht, dass sich in seine Farben aufteilt und erst dann sein ganzes Wesen offenbart. Eher wie ein einfaches, billiges Plastiklineal, mit dem gespielt wird, das überdehnt wird und dann zerspringt.

Dieser komische Bus, er biegt einfach um die Ecke ab, er bemerkt das Band garnicht reißen. In Zeitlupe schnellen die überdehnten Fasern an ihren Ursprung zurück. Wie Peitschen knallen sie zurück mit voller Wucht. Eine lautes Bersten, dass die Ohren betäubt. Er überspielt es einfach mit lauten Dieselmotorkrächzen. Ein kurzes Aufheulen zum Beweis, wie egal es ihm ist. Dann ist es still.

Ich konnte es ihr nicht mehr sagen. Wie alles in Mustern verborgen liegt, wie sich alle Farben nur wiederholen und wie ein Achat ist. Von außen ist er weiß, mit dunklen grünen Stellen versehen. Innen aber ist er nur blau. Vielleicht hätte sie es verstanden.