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September 2, 2013

[ Dunkelblau ]

Du sprichst zu mir, wie ein Wal, der auf einem Felsen gestrandet liegt. Dieser Wal hat irgendwann angenommen, der Felsen sei sein Zuhause. Zu lange schon hatte er sich seine Schuppen an dem rauen Stein aufgeschürft, sich hin und hergeschurbelt und wunderte sich immer weniger über die eigene Schwerfälligkeit bei jeder seiner Bewegungen. Ja, komm jetzt, Wal… Die Welle, die Dich hierhin getragen und vergessen hat, Dich wieder mitzunehmen, ist längst nicht mehr da. Das Wasser hat sich zu weit zurückgezogen. Dieses Meer und dessen Salz wirst Du nicht mehr schmecken. Jetzt, wo ich vor Dir stehe, Du schönes, großes Ungetüm – Du großes, schönes Urwesen, spürst Du wie die Sonne Deinen Leib verzehrt. Dein Blick richtet sich nach oben, als hättest Du eine neue Ahnung. Zuerst bereitet es Dir Schwierigkeiten, denn der Untergrund zeichnet rote Risse in Deine trockene Haut. Dann fällt Dir der Abschied vom Felsen immer leichter…. immer leichter und leichter. Da war nie Salz im Regen und da ist kein Salz in der Sonne, aber sie brennt immer weniger, je näher Du ihr kommst. Sie fühlt sich warm an. Nein, Du wirst das Meer nicht mehr sehen. Es ist voll mit Erinnerungen an Dich, aber Du wirst es vergessen haben. Leichtigkeit trägt Dich jetzt, nicht mehr das Wasser. Aus den Wolken über Deine Zunge… so schmeckt Salz jetzt. Du wirst es vergessen haben, also komm jetzt… Dunkelbau ist die Erinnerung. Dunkelblau ist meine Harpune. Der Ozean wird wie der Himmel schmecken.
Ocean 1 small

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