Archive for August, 2012

August 16, 2012

[ Vom Fliegen ]

Am See sitzt und liegt da so ein Goetheist im Gras. Die gleißende Sonne umschmeichelt wärmend und großzügig sein ganzes Wesen und kitzelt ihn bis tief in die Seelenzehenspitzen. Ein Schmetterling flügelt sich mit gekonnter Eleganz zwischen den tanzenden Blutsaugern hindurch, bishin zu ihm und grüßt einmal von ganzem Herzen das menschliche Dasein. Tauben flattern sich patschig und toll von Ast zu Ast in gewohnt holpriger Manier und bieten eine kuriose Show dar, die zum Schmunzeln einlädt. Amseln setzen zum gekonnten Landeanflug an und hopsen Tango um die Wette durchs hohe Gras, entführen den ein oder anderen Wurm zu einer Gratis Flugstunde. Geflügelte Ameisen verwechseln ihn mit einem Ameisenflughafen. Ein Rotkehlchen raschelt sich hinter ihm durchs Gebüsch, so garnicht ängstlich, aber mit einem verschmitzten Lächeln auf dem kleinen Schnabel.

Soviel haben sie alle zu erzählen und sprechen dabei kein einziges Wort.

Ein Goetheist lauscht trotzdem sehr gerne und denkt sich dabei:

 

Ja. Fliegen ist schön.

 

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August 14, 2012

[ Licht im Dunkel, Prometheus! ]

 

Bedecke deinen Himmel, Zeus,

Mit Wolkendunst!

Und übe, Knaben gleich,

Der Disteln köpft,

An Eichen dich und Bergeshöh’n!

Mußt mir meine Erde

Doch lassen steh’n,

Und meine Hütte,

Die du nicht gebaut,

Und meinen Herd,

Um dessen Glut

Du mich beneidest.

 

Ich kenne nichts Ärmeres

Unter der Sonn‘ als euch Götter!

Ihr nähret kümmerlich

Von Opfersteuern

Und Gebetshauch

Eure Majestät

Und darbtet, wären

Nicht Kinder und Bettler

Hoffnungsvolle Toren.

 

Da ich ein Kind war,

Nicht wußte, wo aus, wo ein,

Kehrt‘ ich mein verirrtes Auge

Zur Sonne, als wenn drüber wär

Ein Ohr zu hören meine Klage,

Ein Herz wie meins,

Sich des Bedrängten zu erbarmen.

 

Wer half mir

Wider der Titanen Übermut?

Wer rettete vom Tode mich,

Von Sklaverei?

Hast du’s nicht alles selbst vollendet,

Heilig glühend Herz?

Und glühtest, jung und gut,

Betrogen, Rettungsdank

Dem Schlafenden dadroben?

 

Ich dich ehren? Wofür?

Hast du die Schmerzen gelindert

Je des Beladenen?

Hast du die Tränen gestillet

Je des Geängsteten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet

Die allmächtige Zeit

Und das ewige Schicksal,

Meine Herren und deine?

 

Wähntest du etwa,

Ich sollte das Leben hassen,

In Wüsten fliehn,

Weil nicht alle Knabenmorgen-

Blütenträume reiften?

 

Hier sitz‘ ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,

Ein Geschlecht, das mir gleich sei,

Zu leiden, weinen,

Genießen und zu freuen sich,

Und dein nicht zu achten,

Wie ich!

 

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