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Januar 15, 2012

Goetheist im Hier & Jetzt

– 2012 –

Jahr des WasserDrachen. Eigentlich hatte ich einen ausführlicheren Text als stimmungsvolle Einleitung verfasst, aber dann dachte ich mir „Was soll das ganze Gerede?!“ Ich will mich kürzer fassen: Goetheist verändert sich. Wie alles im Leben ist nur der Wandel gewiss. Aber bevor ich auf die Zukunft eingehe, muss ich nochmal kurz in die Vergangenheit schauen. Denn eine Frage habe ich bisher ganz offen und allein für sich auf weiter Flur stehen gelassen: Was ist eigentlich ein Goetheist?! Jemand brachte mich neulich zurück zu dieser Frage und ich lasse diese einen echten Goetheisten beantworten – Mich: Ein Goetheist. Das könnte ein Mensch sein, der sich als edler Geist versteht in einer Welt, in der die Geister zu entgleisen drohen und ohne Zweifel schon tüchtig auf den falschen Schienen unterwegs sind. Ein geistiges Seelenwesen, welches an Menschlichkeit glaubt, auf Weitherzigkeit baut und dem das Element „Trotzdem“ ein Manifest geworden ist. Und obwohl das auch schon wieder ein Konzept ist, strebt ein Goetheist danach, fernab jeder Konzeption die Lebendigkeit in den Dingen zu entdecken und zu offenbaren. Vielleicht ist es sogar noch viel wahrscheinlicher, dass ein Goetheist mit seinem Namen schon trefflich beschrieben ist und das Ganze für sich als dadaistisch, rebellierendes Statement gegenüber jeder unlebendigen Glaubensvorstellung einfach so stehen gelassen werden kann. Soweit die vorläufige Definition. Ihr dürft sie gerne nach Euren Vorstellungen ergänzen.

Goetheist soll etwas persönlicher werden, wieder etwas mehr aus Fleisch und Blut. Andererseits werden die Geschichten noch fiktiver werden und zwar in einer Weise, die es mir erlaubt, die Realität mit den fantastischen anderen Welten, die da draußen noch so rumschwirren, ein bisschen aufzumischen. Das Ganze wird wohl experimentell und vielleicht etwas verquer sogar. Nämlich wenn der Leser selber interpretieren kann, wo Realität aufhört und wo die Fantasie beginnt. Normalerweise sind und waren diese Welten größtenteils voneinander getrennt. Es brauchte schon immer einen Architekten, der seine Zelte auf dieser unsichtbaren und doch oft so unvermittelt fühlbaren Grenzlinie aufgeschlagen hatte. Goetheist ein Architekt, genauer ein Brückenbauer. Wenn ich über die noch ungebauten Brücken und morschen Planken hinüberblicke, sehe ich ausgehungerte Einhörner und lahmflügelige Feen. Ihnen wird die Nahrung entzogen und diese nennt sich „unsere Fantasie“. Sowas macht einen Goetheisten traurig, wütend oder manchmal ratlos. Es ist für keine beider Welten gesund, wenn uns die Verbindung so abgeschnitten bleibt. Und erst wenn diese Grenzen wieder anfangen zu verschwimmen und man den Traum von der Wirklichkeit nicht mehr zu unterscheiden vermag, erst dann wird ein Goetheist zufrieden sein. Vielleicht ist dann auch die Wirklichkeit schon ein einziger Traum geworden. Realistische Realitäten sind für einen edlen Geist auf die Dauer jedenfalls unerträglich. Dazu fällt mir folgender Satz zum Abschluss ein, den ich leicht umgeändert habe:

Wer ein fantasiereicher Mensch sein will, muß bereit sein, für dumm und irre gehalten zu werden.

[Epiktet]

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Januar 8, 2012

Schwer ist zu tragen das Unglück,
aber schwerer noch das Glück.

Johann Wolfgang von Goethe