Archive for Mai, 2010

Mai 4, 2010

Der Albatros und der Krebs

Am Steg da droben ein Albatroß sitzet, schön weiß und leicht schwarzgeschecket
Mit kühnem Aug so umher er blickt und in Neugier dabei sich fast erschrecket
Die Augen folgen Fuß um Fuß der flinken Spuren Sandgeschmiere
Seltsam dort, ein Lebenswesen an dem Fluße, gibt es hier denn derart Tiere

Der Spurenmacher sich schon im Blicke spürte, den er dem Albatroß nicht verwährte
Ihn auf diese Weise somit schon grüßte, weiter des Sandes Körner kehrte
Wohlwissend dass der Vogel sich dabei frage
warum der Strandläufer sich mit sowas plage

Ein Herz und eine kühle Brise, Hinunter dort auf leichten Flügeln
Der Vogel sich zum Strand begibt, steigt hinab aus blauer Luft
Umschrieben und umfahren nun, sein Federkleid von Wohligkeit
Aufgestürmt die Schwingen landen
des Meereswesens Fühler umranden

Kleiner Wassergeist, um sich leise lauscht
Augenblicke her und hin am Fliegen
Bis dann ein Zünglein sich aufbauscht
Zwei Herzrhythmen schon Arm in Arm dort liegen

So spricht der Flußkrebs:
Du Schönheit, lass mich dir sagen, ss gibt keine Garantien und auch wenn sich mein Herz danach sehnt, so will ich doch von dir nicht verlangen, was du nicht zu geben vermagst.
Denn ich weiß um dich…

Wirklich stürmig bist du Vogel, schlägst mir den Wind schon um die Ohren
Wehest mich schon fast hinfort in den Dünensand dahinter und dadrunter
Ehrlich, deine Flügel sind´s, die ich bewunder
So frisch, so fein, so putz, so munter

Du wundersamer leichtfedriger Freund und dein kusswürdiger Mund
Herzerquickt, ja freudentrunken ob deiner vielen Träumeleien
Fragt es sich in meinem Kopfe nur, kannst du mir schon jetzt verzeih´n
Des Herzenkammers Flackereien, denn ich möchte flattern, möchte schrei´n

Und der Albatroß antwortet darauf
Dass gerade du das sagst, kleiner Krebs, verwundert mich doch sehr
Lass mich schauen, wie du bist, von hier kann ich dich nur erahnen
Lass mich sehen, wer du bist, komm ein bisschen näher
Lass mich nicht warten komm doch her, lass mich dich erfahren

Hör zu kleiner Krustenkrabbler, sprichst so schöne Dinge schon von Weitem
Mag wohl dein sanftes Stimmlein mich flüsterleis Heut Nacht begleiten
Mag es wagen, mit mir rauschen, dem stillen Sand entlaufen und in die Ferne schweifen
Der unerhörten Fremde lauschen, Sternenbilder mit den Händen ergreifen

Mai 2, 2010

Gewiss

GEWISS, ich wäre schon so ferne, ferne,
So weit die Welt nur offen liegt, gegangen,
Bezwängen mich nicht übermächtige Sterne,
Die mein Geschick an deines angehangen, –
Dass ich in dir nun erst mich kennen lerne:
Mein Dichten, Trachten, Hoffen und Verlangen
Allein nach dir und deinem Wesen drängt,
Mein Leben nur an deinem Leben hängt.

Goethe

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